Verkehrszähmer

Der Wunsch nach Schutz und Sicherheit

oder Wattebausch versus Selbständigkeit

oder das Lehrstück von der verloren gegangenen Selbständigkeit

Selbstverständlich ist es das vornehmste Ziel aller Eltern, ihre Kinder vor Gefahren und Unbilden des Lebens zu bewahren, damit sie die Kindheit unbeschwert genießen. Ebenso selbstverständlich kennen Eltern vielfältige Gefahrensituationen, die das Wohl der Kinder bedrohen. Daher beginnen sie früh, unüberwindliche Dämme gegen Gefahrensituationen zu bilden. Hierzu gehört ein Schutzwall, an dem über lange Zeit fast unbemerkt gebaut wurde: das Eltern-Kind-Taxi.
Eltern fahren Kinder überall hin… zur Schule, zum Sport, zu Freunden… Sie versuchen so, ihr Kind zu bewahren vor den Gefahren des Straßenverkehrs, vor Kontakt mit Fremden, vor Streitigkeiten mit anderen Kindern. Aber verdrängen sie dabei nicht andere, ebenso hoch anzusiedelnde Ziele?
Es nutzt wenig, nur Schutz anzubieten. Gleichzeitig muss auch eine Stärkung des Kinder-Egos erfolgen. Ein Kind aber, das immer transportiert wird, kann nicht Selbständigkeit einüben. Es erfährt nicht das Gefühl, einen Weg mit all seinen Gefahren bewältigt zu haben. Es erfährt nicht das Vertrauen, welches Eltern in ihre Kinder setzen sollten: „Ich weiß, du schaffst!“ Es hat weniger Gelegenheiten, Freundschaften zu schließen und zu pflegen. Es hat nicht zuletzt zu wenige Möglichkeiten, die „Welt“ kennen zu lernen.

Denn letztendlich sieht ein immer gefahrenes Kind das Leben hinter einer Glasscheibe.

Diese eingeschränkte Wahrnehmung zu verhindern, Kinder in ihren Fähigkeiten umfassend zu stärken und nicht zuletzt die Gefahrensituationen in Schul- und Wohnstraßen zu vermindern, ist das Ziel aller großen und kleinen Verkehrszähmer.

Genial erscheint, wie eigenständig Kinder nach einer Einführungsphase sich diese Ziele selbst „erkämpfen“ und sich fast verloren gegangene Fähigkeiten zurück erobern.

Gaby Koervers


top